Griechenland brennt... Mavropigi wurde verschont...Andere nicht!

Der Tag danach.

Die Brände sind endlich fast überall in Griechenland erloschen, die große Hitzewelle ist vorbei. Zumindest für jetzt, zumindest für heute. Was geblieben ist, sind die Verzweiflung, die Angst, der überquellende Zorn. Und eine Frage, die Niemand von den Zuständigen beantworten kann (oder will?). WARUM???

Innerhalb weniger Tage ist ein großer Teil von meinem wunderschönen Land in Schutt und Asche gelegt worden.
90.000 Hektar..., 90.000 Hektar..., 90.000 Hektar... unvorstellbar, unwirklich, nicht real sagt das Gehirn und doch ... 90.000 Hektar sind es. 90.000 Hektar u.a. dicht mit Bäumen bestandene Flächen, Wälder, Lebensräume von unzähligen Tieren und Pflanzen, das Zuhause von tausenden von Menschen, von Schildkröten, Füchsen, Vögeln, Schlangen, Rehen, Pferden, Eseln, Schafen, Katzen, Hunden...u.v.m. ... das Feuer hat alles dahingerafft.

Eine nicht existierende Regierung fühlt sich wieder mal nicht verantwortlich und schiebt die ganze Katastrophe dem Klimawandel zu. Die Herren und Damen der Regierung hielten es nicht mal für angebracht ihren Urlaub abzubrechen. Stattdessen hohle Worte, wenig Verständnis und Empathie den Menschen gegenüber die wegen der Brände ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben und die bis zuletzt mit aller Kraft gegen das Feuer gekämpft haben. Aber SMS gab es dieses Jahr reichlich. Tausende von SMS an alle Bürger, die in Gegenden Nahe der Brände gelebt haben, ... man solle umgehend sein Zuhasue verlassen. Man hat aus den Fehlern der letzten Regierung angeblich gelernt, bei den letzten großen Bränden um Athen, gab es 100 Tote. Dieses Mal gibt es eben SMS. Wer zurückbleibt auf eigene Gefahr, man ist nicht schuld an seinem Tod, er/sie wurden ja gewarnt. (Wie einfach ist es eigentlich sein Zuhause, das Viele mit großen Opfern gebaut haben, das in vielen Fällen noch gar nicht abbezahlt ist, ohne wenn und aber zu verlassen?)
Die Menschen aus den verkohlten Gegenden dagegen brüllen verzweifelt:
"Man hat uns brennen lassen". (Es ist kein Geheimnis dass keine Regierung Griechenlands, egal welche, jemals dafür gesorgt hat dass das Land bei der hohen Anzahl an Bränden jedes Jahr, über genügend Feuerwehrleute, Feuerwehrautos und Löschflugzeuge verfügt.) Und: "Es war Brandstiftung".

Oftmals habe ich in den letzten Tagen versucht mich in die Lage dieser Menschen zu versetzen. Ich denke, zu hundert Prozent kann man das nicht. Ich gehöre zu den Glücklichen, die von den Bränden nur die Hitze und giftige Rauchwolken abbekommen haben, und doch bin ich fix und fertig und mit den Nerven am Ende gewesen.
Die Bilder von den meterhohen Flammen, die alles verschlingen, von der Verwüstung, von der großen Verzweiflung der Menschen vor Ort, von dem Kampf der Feuerwehrleute, die selbstlos und heldenhaft viele Tage ohne Schlaf gegen das Feuer gekämpft haben, von der älteren Frau, die sich die Haare rauft und nur mit einer kleinen Plastiktasche ihr Dorf und ihr Haus verlassen muss, von den Wäldern, die Baum für Baum dem furchtbaren Feuer zum Opfer fallen, von tausenden von verkohlten Körpern von Tieren...
ich habe viel geweint die letzten Tage, war verzweilfelt und habe getrauert, doch vor allem war ich zornig. Unglaublich zornig auf unsere emphatielosen Politiker und die ekelhaften Brandstifter. Vor allem wenn ich an Letztere denke dann verstehe ich ganz genau die Bedeutung des Satzes
"Jeder Mensch ist unter bestimmten Voraussetzungen nahezu zu allem fähig". Möge ich keinem dieser Brandstifter jemals in meinem Leben begegnen. Ich befürchte dann wäre ich tatsächlich zu nahezu allem fähig!

Doch gerade wenn man denkt man wird es nicht schaffen aus diesem großen schwarzen Loch der grauenvollen Gefühle rauszukommen, geschieht manchmal etwas das einem unglaublich viel Kraft gibt. Diese große Kraft habe ich persönlich zum Einen von den vielen lieben und aufbauenden persönlichen Nachrichten geschöpft, die ich von Vielen von Euch erhalten habe und für die ich mich auch an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte.
Zum anderen habe ich von der unglaublichen Hilfsbereitschaft der Menschen im ganzen Land (und auch von ausserhalb) große Kraft schöpfen dürfen. Die grauenvolle Katastrophe hat bei den Menschen eine riesengroße Hilfswelle und einen fast nie dagewesenen Zusammenhalt ausgelöst. Es wurden für die Menschen vor Ort Mahlzeiten gekocht, Wasser, Getränke und Hygieneartikel gesammelt, jeden Tag fuhren vollgepackte Autos los um in den Gegenden, in denen die verheerenden Brände wüteten, den Menschen so gut wie möglich beizustehen. Tierschützer aus ganz Griechenland, aus verschiedenen Organisation, Vereinen oder auch privat tun sich zusammen, koordinieren und organisieren sich einwandfrei und sammeln innerhalb kürzester Zeit so viele Geldspenden, Futter, Medikamente, das dadurch hunderten von Tieren, die die Brände mit Verletzungen überlebt haben, geholfen werden kann. Andere Tierschützer widerum begeben sich in kleinen Gruppen zu den verbrannten Gebieten und sammeln Tiere ein, die ihren Besitzern während die Feuer wüteten entlaufen sind. Riesige Lager werden in Zusammenarbeit mit einigen Bürgermeistern aufgestellt, die eingefangenen Tiere werden dort untergebracht, mit allem versorgt, ihre Daten/Chips werden aufgenommen/gelesen und zum Schluss werden sie mit ihren Besitzern wieder zusammengebracht. Unglaublich berührende Szenen spielten sich in diesen Lagern ab.

Und plötzlich, nach so vielen Tagen der endlosen Leere, macht sich bei mir wieder ein wunderschönes Gefühl breit ...

Hoffnung

(FB Beitrag von Chrissa)