Suna erzählt von Mavropigi und Alexia...

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Ich bin Suna und ich lebe mit meinen Schwestern Kelly und Sanja und unserer Mama in einem Dorf in Griechenland.

Viele von Euch denken jetzt bestimmt an Sommer, Sonne, Strand und Meer und soll ich Euch was sagen, all das haben wir hier nicht. Da wo ich lebe gibt es nur kaputte Häuser und uns Hunde und wir sind viele, sehr viele.

Kein Mensch lebt hier, wir sind hier völlig auf uns allein gestellt. Aber das war nicht immer so.

Jeden Abend vor dem Einschlafen erzählt unsere Mama uns von früher. Sie erzählt uns aus der Zeit, als noch Menschen in diesem Dorf lebten, als sie noch zu einer Familie gehörte, als sie noch Spielkamerad von 2 kleinen Menschenkindern war, als sie noch einen Namen hatte. Und sie erzählt uns von dem Tag, an dem sich alles änderte.

Der Tag, an dem ihre Menschen all ihr Hab und Gut in ein großes Auto luden. Unsere Mama war aufgeregt, sprang zwischen dem Auto und ihren Menschen hin und her, dachte sie doch, es geht wie jedes Jahr ans Meer. Als alles verladen war, war irgendetwas anders, die Menschenkinder umarmten und küssten sie, Tränen rannen aus ihren Augen und ihre Menschen tätschelten ihren Kopf und sprachen etwas zu ihr, aber Menschensprache versteht unsere Mama nicht. Dann stiegen alle in dieses große Auto, der Motor heulte laut auf und unsere Mama lief ungeduldig an dem Auto auf und ab, es musste sich doch die Tür öffnen und man musste ihr das Zeichen geben, dass sie in das Auto springen sollte.

Aber das geschah nicht.

Das Auto setzte sich in Bewegung und fuhr mit ihren Menschen und den Menschenkindern fort. Mama lief ihnen noch eine Weile hinterher, bis sie erkennen musste, dass das Auto schneller war als sie. Sie lief zurück zu ihrem Haus, überzeugt davon, dass ihre Menschen sie von dort abholen würden.

Also legte sie sich auf ihren Stammplatz vor die Stufen und dort harrte sie lange 6 Monate aus. 6 Monate in denen sie noch viele vollbeladene Autos davonfahren sah, 6 Monate in denen sie noch viele Hunde verzweifelt den Autos ihrer Menschen folgend sah. 6 Monate, in denen Tag für Tag ein Stück ihrer Hoffnung starb.

Das ist nun schon lange her und unsere Mama schloss sich einem Rudel von Hunden an, da das Alleinsein sie müde und traurig machte. Sie erzählte uns, dass manchmal, ganz selten ein fremdes Auto in das Dorf gefahren kommt und einige von den Hunden dann ganz aufgeregt sind, weil sie noch immer hoffen, dass es ihr Mensch sein könnte, der sie nun abholt. Aber meist öffnet sich nur eine Tür und ein Bündel fliegt auf die Straße und das fremde Auto fährt dann wieder schnell davon. Unsere Mama sagt, wenn das passiert, hat das Dorf einen neuen Bewohner mehr.

Wenn sie uns ihre Geschichten erzählt, spüre ich jedes Mal, wie schwer ihr Herz dabei wird und auch wenn sie glaubt ich bemerke es nicht, so sehe ich jede Träne, die ihr aus ihren Augenwinkeln rinnt.

Wenn wir dann eingeschlafen sind oder sie glaubt, dass wir schlafen, spricht sie immer das gleiche:

„Lieber Hundegott, sorge dafür, dass meine Mädchen ihre Menschen finden! Sorge dafür, dass sie nicht den Rest ihres Lebens in diesem Geisterdorf verbringen müssen!“

Und dann gibt es da noch dieses rote große und laute Auto, das immer in unser Dorf gefahren kommt. Es ist so laut, dass ich mich am Anfang immer versteckt habe, da es mir in den Ohren wehtat.

Doch Mama sagt, dass mit diesem Auto Alexia zu uns gebracht wird und Alexia ist nun ihr Mensch, sie ist der Mensch von allen Hunden hier.

Wenn Alexia kommt ist es meist schon dunkel. Im Dorf gibt es längst keinen Strom mehr und so lässt sie das Licht ihres Autos an, damit sie uns alle sehen kann. Wenn das rote Auto kommt, dann sind alle ganz aufgeregt, denn Alexia bringt Futter und Wasser und manchmal auch Leckereien. Und Alexia bringt Liebe, wenn auch nur für ein paar Stunden. Sie bringt Streicheleinheiten und liebe Worte, alles was Mama so sehr vermisst.

Mama weiß, dass Alexia schon für viele von ihnen eine Familie gefunden hat und so bittet sie Alexia jedes Mal darum, für uns eine Familie zu finden. Aber Mama ist sich nicht sicher, ob Alexia sie überhaupt versteht, doch sie hofft es, jeden Tag.

Familie, ich kenne das nicht und habe meine Mama gefragt, wie Familie ist und sie sagte, Familie fühlt sich so an, wie wenn Alexia hier bei uns ist, nur, dass sie nicht wieder gehen müssen, sondern immer bei dir bleiben, dich lieben und umarmen, mit dir reden und dir auch von ihren Sorgen erzählen, die sich mit dir ein Sofa oder ein Bett teilen. Die dir einen Namen geben, damit du kein Niemand mehr bist.

Ich glaube Familie ist toll und ich hoffe, dass Alexia auch eine Familie für mich findet.

Es wäre auch gut, wenn sie bald meine Menschen findet, denn noch ist es Sommer und die verrotteten Häuser spenden uns in der meist unerträglichen Hitze Kühle und Schatten, aber Mama sagt, im Winter ist das Dorf ein großes Stück Hölle mehr, denn hier soll es bitter kalt werden und der Schnee, von dem ich nicht weiß, was er ist, soll meterhoch liegen. Dann bieten die zerfallenen Häuser keinen Schutz vor der Kälte. Mama sagt, dass ist die schlimmste Zeit im Dorf! Davor habe ich Angst, auch wenn ich nicht weiß, wie sich Kälte anfühlt, doch aus Mama`s Worten kann ich hören, dass selbst sie Angst davor hat.

Lieber Hundegott, mach, dass meine Schwestern und ich ganz bald ihre Familien finden und wenn du noch eine Familie für meine Mama übrig hättest, verspreche ich dir, dass ich immer brav sein werde!

Ihr Lieben, Alexia kämpft tagtäglich um das Leben dieser Hunde. Sie wurden damals in diesem Dorf zurück gelassen. Keiner der Besitzer machte sich Sorgen darum, was aus seinem Hund werden soll. Als Alexia davon erfuhr, machte sie es zu ihrer Lebensaufgabe, diesen Hunden zu helfen. Nach ihrer Arbeit fährt sie den langen Weg in das entlegene Dorf, um ihnen Futter und Wasser zu bringen, um ihnen für ein paar Minuten Liebe zu schenken. Sie bringt kranke und verletzte Hunde zum Arzt. Sie tut das alles, egal ob es regnet, schneit oder stürmt. Jeden Tag kommt sie erst spät in der Nacht nach Hause, um dann am nächsten Morgen wieder früh aufzustehen und arbeiten zu gehen. Alexia tut dies alles für diese verlassenen und vergessenen Seelen, aber sie braucht dabei dringend Unterstützung. Die Kosten für Futter, Arztbesuche oder Parasitenmittel sind immens, das kann sie unmöglich allein aus ihren privaten Mitteln stemmen. Alexia gibt für diese Hunde körperlich, mental und finanziell alles. Wir hier aus der Ferne können sie dabei nur finanziell unterstützen, mehr ist uns leider nicht möglich, aber es würde ihr eine große seelische Last nehmen, wenn sie wüsste, dass finanziell für diese Hunde gesorgt wird.

Und das ist es, was ich mir von Euch wünsche:

Bitte spendet für die verlassenen Hunde von Mavropigi!

Kein Betrag ist zu klein und keiner zu groß!

Vielen Dank!